Mobbing in der Ausbildung: Was tun? Deine Rechte und Wege aus der Situation
Mobbing: Du bist nicht allein
Mobbing in der Ausbildung ist kein Einzelschicksal und kein Kavaliersdelikt. Wenn du systematisch schikaniert, ausgegrenzt oder herabgesetzt wirst, dann ist das Mobbing – und du hast Rechte.
Wichtig: Mobbing ist nicht deine Schuld. Du hast das Recht auf einen respektvollen Umgang. Lass uns gemeinsam Wege finden, wie du dich wehrst.

Was ist Mobbing überhaupt?
Mobbing ist die systematische, wiederholte und dauerhafte Schikane, Ausgrenzung oder Herabsetzung einer Person am Arbeitsplatz. Es sind nicht einzelne Konflikte, sondern eine anhaltende Situation, die dich psychisch und körperlich belastet.
Typische Mobbing-Handlungen:
- Ständige Kritik, auch an Kleinigkeiten
- Ausgrenzung aus Gesprächen oder Aktivitäten
- Verbreitung von Gerüchten
- Zuweisung sinnloser oder degradierender Aufgaben
- Ignorieren oder Anschreien
Deine ersten Schritte: Was du sofort tun kannst

1. Dokumentiere alles
Führe ein Mobbing-Tagebuch: Notiere Datum, Uhrzeit, Ort, was passiert ist, wer dabei war. Sammle E-Mails, Screenshots, Zeugen. Diese Dokumentation ist wichtig für spätere Schritte. Sei detailliert und objektiv.

2. Suche Unterstützung
Sprich mit Vertrauenspersonen: Ausbilder, Betriebsrat, Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV), Eltern, Freunde. Du musst das nicht alleine durchstehen. Professionelle Hilfe findest du bei der IHK, der Handwerkskammer oder Beratungsstellen.

3. Das Gespräch suchen (wenn möglich)
Wenn du dich sicher fühlst, kannst du versuchen, das Gespräch mit der mobbenden Person zu suchen. Sei sachlich, beschreibe konkret, wie du dich fühlst. Manchmal hilft bereits ein klares "Stopp!". Wichtig: Lass dich nicht auf eine Diskussion ein, in der du angegriffen wirst.

4. Kenne deine Rechte
Du hast das Recht auf einen respektvollen Umgang. Mobbing kann eine Verletzung deiner Persönlichkeitsrechte sein. Bei schwerwiegenden Fällen kannst du rechtliche Schritte einleiten. Lass dich dazu von einem Anwalt für Arbeitsrecht beraten.
Deine Ansprechpartner: Wer hilft dir?
1. Betriebsrat / Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV)
Der Betriebsrat oder die JAV ist dein erster Ansprechpartner im Unternehmen. Sie können:
- Vermittlungsgespräche führen
- Den Arbeitgeber informieren
- Für deinen Schutz sorgen
- Bei Kündigungen helfen
Wichtig: Der Betriebsrat hat Schweigepflicht. Deine Angelegenheit bleibt vertraulich.
2. Ausbilder / Ausbildungsbeauftragter
Dein Ausbilder hat eine besondere Verantwortung für dich. Er sollte:
- Für ein gutes Ausbildungsklima sorgen
- Mobbing-Fälle ernst nehmen
- Mit dem Betriebsrat zusammenarbeiten
- Dich unterstützen
3. IHK / Handwerkskammer
Die IHK oder Handwerkskammer ist für die Überwachung der Ausbildung zuständig. Du kannst dich dort beschweren, wenn:
- Mobbing die Ausbildung gefährdet
- Dein Ausbilder nicht hilft
- Die Situation unerträglich ist
Die Kammer kann mit dem Unternehmen sprechen und im Extremfall die Ausbildung in einem anderen Betrieb vermitteln.
Wichtig: Schweigepflicht beachten
Alle deine Ansprechpartner (Betriebsrat, JAV, IHK) haben Schweigepflicht. Sie dürfen nichts weitergeben, ohne deine Zustimmung. Du kannst also sicher sein, dass deine Angelegenheit vertraulich behandelt wird.
4. Gewerkschaften
Gewerkschaften bieten:
- Beratung bei Mobbing
- Rechtsschutz bei arbeitsrechtlichen Konflikten
- Unterstützung bei Verhandlungen
Auch als Azubi kannst du Mitglied werden.
5. Beratungsstellen
Es gibt spezialisierte Beratungsstellen für Mobbing-Opfer:
- Mobbing-Beratungsstellen
- Psychologische Beratungsstellen
- Jugendhilfe
- Telefonseelsorge (kostenlos, anonym)

Deine Rechte bei Mobbing
Bei Mobbing hast du verschiedene Rechte:
1. Recht auf Gesundheitsschutz Der Arbeitgeber muss für deine Gesundheit sorgen. Mobbing ist eine Gesundheitsgefahr.
2. Persönlichkeitsrecht Du hast das Recht auf Achtung deiner Würde. Mobbing verletzt dieses Recht.
3. Beschwerderecht Du kannst dich beim Betriebsrat, bei der IHK oder beim Arbeitgeber beschweren.
4. Recht auf Unterstützung Der Betriebsrat und die JAV müssen dir helfen.
5. Recht auf fristlose Kündigung Bei schwerem Mobbing kannst du fristlos kündigen (wichtig: vorher rechtlich beraten lassen!).
Rechtliche Schritte: Wann und wie?
Wann sollte ich rechtliche Schritte einleiten?
Rechtliche Schritte solltest du in Betracht ziehen, wenn:
- Mobbing länger andauert (mehrere Monate)
- Es schwerwiegend ist (z.B. körperliche Angriffe)
- Alle anderen Maßnahmen nicht geholfen haben
- Deine Gesundheit gefährdet ist
Welche rechtlichen Möglichkeiten gibt es?
-
Abmahnung des Arbeitgebers
- Schriftliche Aufforderung, Mobbing zu beenden
- Dokumentation des Vorfalls
-
Schadensersatzanspruch
- Bei gesundheitlichen Schäden
- Bei Vermögensschäden
-
Fristlose Kündigung
- Bei unerträglicher Situation
- Wichtig: Vorher Rechtsberatung einholen!
-
Strafanzeige
- Bei Straftaten (z.B. Körperverletzung, Beleidigung)
- Bei Nötigung oder Drohung
Wichtiger Hinweis
Bevor du rechtliche Schritte einleitest: Lass dich immer von einem Anwalt für Arbeitsrecht beraten. Er kann dir sagen, welche Schritte sinnvoll sind und welche Risiken bestehen. Viele Anwälte bieten eine kostenlose Erstberatung an.
Prävention: So schützt du dich
1. Klare Grenzen setzen
Zeige früh, dass du dich nicht alles gefallen lässt:
- "Stopp!" sagen, wenn dir etwas nicht passt
- Sachlich bleiben, nicht emotional werden
- Zeugen suchen, wenn möglich
2. Netzwerk aufbauen
- Gute Beziehungen zu Kollegen pflegen
- Mit Ausbilder und Betriebsrat im Gespräch bleiben
- Positive Arbeit leisten
3. Dokumentation von Anfang an
Auch bei kleineren Vorfällen: Dokumentiere alles. Es kann später wichtig sein.
Häufige Fragen zu Mobbing
Ist es Mobbing, wenn mein Ausbilder streng ist?
Kann ich wegen Mobbing kündigen?
Was passiert, wenn ich mich beschwere?
Sollte ich mir einen Anwalt nehmen?
Du bist nicht allein: Hilfe gibt es
Mobbing ist schwer und belastend. Aber du musst es nicht alleine durchstehen. Es gibt Menschen, die dir helfen wollen:
- Betriebsrat / JAV: Deine Vertretung im Betrieb
- IHK / Handwerkskammer: Überwachen die Ausbildung
- Beratungsstellen: Professionelle Hilfe
- Anwalt: Rechtlicher Beistand
Wichtigste Punkte:
- Dokumentiere alles: Mobbing-Tagebuch führen
- Suche Hilfe: Du musst nicht alleine bleiben
- Kenne deine Rechte: Du hast Anspruch auf Respekt
- Handle früh: Warte nicht zu lange

Du bist nicht allein
Mobbing ist kein Kavaliersdelikt. Es gibt Hilfe und Wege aus der Situation. Nimm die Unterstützung an, die dir zusteht. Du hast das Recht auf einen respektvollen Umgang.
Über den Autor:
Das Evkola Team unterstützt seit über 10 Jahren Azubis bei ihrer Ausbildung. Wir helfen dir, deine Rechte zu kennen und durchzusetzen.