Rechte und Pflichten als Azubi: Was du wissen musst
Deine Rechte und Pflichten: Die Basis für eine erfolgreiche Ausbildung
Als Azubi hast du Rechte und Pflichten. Das klingt kompliziert, ist aber eigentlich ganz einfach: Beide Seiten haben Verantwortungen – du gegenüber deinem Ausbildungsbetrieb, und der Betrieb gegenüber dir.
Gute Nachricht: Wenn beide Seiten ihre Verpflichtungen einhalten, läuft die Ausbildung reibungslos. Lass uns gemeinsam schauen, was auf dich zukommt.

Warum sind Rechte und Pflichten wichtig?
Rechte und Pflichten schaffen Klarheit und Fairness. Du weißt, was von dir erwartet wird, und du weißt, was dir zusteht.
Wenn du deine Pflichten erfüllst (z.B. Lernpflicht, Berichtsheft), dann kannst du auch deine Rechte einfordern (z.B. Ausbildungsvergütung, Urlaub). Beide gehören zusammen.
Deine Pflichten: Was von dir erwartet wird

Lernpflicht: Deine Hauptaufgabe
Deine Hauptpflicht ist das Lernen. Du musst dir die Kenntnisse und Fertigkeiten aneignen, die für deinen Beruf nötig sind. Das bedeutet: Aufmerksamkeit im Betrieb, aktive Teilnahme an der Berufsschule, und das Bestreben, die Prüfung zu bestehen.

Berichtsheft führen: Dein Ausbildungstagebuch
Du musst ein Berichtsheft führen, in dem du deine Tätigkeiten dokumentierst. Das ist Pflicht und Voraussetzung für die Prüfung. Führe es regelmäßig (täglich oder wöchentlich) und gewissenhaft. Dein Ausbilder muss es regelmäßig kontrollieren und abzeichnen.

Sorgfaltspflicht: Gewissenhaft arbeiten
Du musst deine Aufgaben sorgfältig und gewissenhaft ausführen. Dazu gehört auch, Arbeitsgeräte und Materialien pfleglich zu behandeln. Bei Fehlern solltest du sie sofort melden, nicht verheimlichen.

Schweigepflicht: Betriebsgeheimnisse wahren
Du musst über Betriebsgeheimnisse und vertrauliche Informationen schweigen. Das gilt auch nach Ende der Ausbildung. Du darfst interne Informationen nicht an Konkurrenten oder Unbefugte weitergeben.

Ordnungspflicht: Regeln einhalten
Du musst die Arbeits- und Betriebsordnung einhalten: Pünktlichkeit, ordnungsgemäße Kleidung (z.B. Schutzkleidung), Rauchverbote, Sicherheitsvorschriften. Diese Regeln dienen deinem Schutz und dem reibungslosen Ablauf.
Deine Rechte: Was dir zusteht
1. Ausbildungsvergütung: Dein Recht auf Bezahlung
Du hast Anspruch auf eine angemessene Ausbildungsvergütung, die in deinem Ausbildungsvertrag festgelegt ist.
Wichtig:
- Die Vergütung muss regelmäßig (meist monatlich) gezahlt werden
- Sie darf nicht gekürzt werden (auch nicht bei Fehlzeiten in der Berufsschule)
- Die Höhe richtet sich nach Tarifverträgen oder ist branchenüblich
Beispiel: Im ersten Ausbildungsjahr erhältst du z.B. 800 €, im zweiten 900 €, im dritten 1000 €.
Pro-Tipp: Tarifvertrag checken
Prüfe, ob in deinem Betrieb ein Tarifvertrag gilt. Dieser regelt die Mindestvergütung. Wenn du weniger bekommst als im Tarifvertrag steht, hast du Anspruch auf Nachzahlung. Sprich mit dem Betriebsrat oder der Gewerkschaft.
2. Urlaub: Dein Recht auf Erholung
Du hast Anspruch auf bezahlten Urlaub:
- Minderjährige (unter 18): Mindestens 30 Werktage (ca. 25 Arbeitstage)
- Volljährige: Mindestens 24 Werktage (ca. 20 Arbeitstage)
Wichtig:
- Urlaub muss bezahlt werden (Ausbildungsvergütung wird fortgezahlt)
- Urlaub sollte in den Ferien der Berufsschule genommen werden
- Urlaub muss genehmigt werden (rechtzeitig beantragen)
3. Freistellung für Berufsschule: Lernen hat Priorität
Du hast Anspruch auf Freistellung für die Berufsschule:
- Vor und nach dem Unterricht: Du musst freigestellt werden
- An Berufsschultagen: Keine Arbeit im Betrieb
- Vergütung: Wird weitergezahlt
Wichtig: Du musst die Berufsschule regelmäßig besuchen. Fehlzeiten müssen entschuldigt werden.

Weitere wichtige Rechte
4. Recht auf ordnungsgemäße Ausbildung Du hast Anspruch darauf, die Ausbildung so zu erhalten, wie sie im Ausbildungsrahmenplan steht. Dein Ausbilder muss dir alle notwendigen Kenntnisse und Fertigkeiten vermitteln.
5. Recht auf Ausbildungsmittel Werkzeuge, Materialien und Arbeitskleidung muss der Betrieb stellen. Du musst nur für deine Berufsschulmaterialien (z.B. Bücher) bezahlen.
6. Recht auf Zeugnis Am Ende der Ausbildung hast du Anspruch auf ein Abschlusszeugnis. Bei Kündigung hast du Anspruch auf ein Zwischenzeugnis.
7. Recht auf Gesundheitsschutz Der Betrieb muss für deine Sicherheit und Gesundheit sorgen. Gefährliche Arbeiten sind für dich tabu.
4. Pausen: Dein Recht auf Erholung
Du hast Anspruch auf Pausen:
- 4,5-6 Stunden Arbeit: 30 Minuten Pause
- Mehr als 6 Stunden Arbeit: 60 Minuten Pause
- Pausen sind Arbeitszeit: Werden nicht von der Arbeitszeit abgezogen
Wichtig: Pausen dürfen nicht am Anfang oder Ende der Arbeitszeit genommen werden.
5. Arbeitszeit: Deine Rechte
Minderjährige (unter 18):
- Maximal 8 Stunden täglich
- Maximal 40 Stunden wöchentlich
- Keine Nachtarbeit (Ausnahmen für bestimmte Branchen)
- Wochenendarbeit nur in Ausnahmefällen
Volljährige:
- Maximal 8 Stunden täglich (kann auf 10 Stunden verlängert werden)
- Wochenendarbeit erlaubt, aber mit Ruhezeiten
- Überstunden müssen bezahlt oder durch Freizeit ausgeglichen werden
Das Berichtsheft: Dein Ausbildungstagebuch
Warum ist das Berichtsheft wichtig?
Das Berichtsheft ist:
- Pflicht: Du musst es führen
- Prüfungsvoraussetzung: Ohne Berichtsheft keine Zulassung zur Prüfung
- Nachweis: Zeigt, dass du die Ausbildung ordnungsgemäß durchlaufen hast
- Lernhilfe: Hilft dir, Gelerntes zu reflektieren
Wie führe ich das Berichtsheft richtig?
- Regelmäßig führen: Täglich oder wöchentlich, nicht auf einmal
- Detailliert: Beschreibe, was du gemacht hast
- Sachlich: Keine Gefühle, sondern Fakten
- Vollständig: Alle Tätigkeiten dokumentieren
- Abzeichnen lassen: Dein Ausbilder muss es regelmäßig kontrollieren
Beispiel-Eintrag:
Montag, 12.02.2024
- Kundenberatung: 2 Stunden Unterstützung bei der Beratung von Kunden zu Produkt X
- Warenannahme: 1 Stunde Kontrolle und Einlagerung neuer Ware
- Reklamationen: 1,5 Stunden Bearbeitung von Reklamationen im System
- Besprechung: 0,5 Stunden Teilnahme an Teamsitzung
Wichtiger Hinweis
Lücken im Berichtsheft können zur Nichtzulassung zur Prüfung führen. Führe es also gewissenhaft und regelmäßig. Wenn du mal krank warst oder Urlaub hattest, schreibe das auch rein ("Krank" oder "Urlaub").
Schweigepflicht vs. Transparenz
Was bedeutet Schweigepflicht?
Du musst über Betriebsgeheimnisse schweigen:
- Kundendaten: Namen, Adressen, Bestellungen
- Geschäftszahlen: Umsätze, Gewinne, Preise
- Geschäftsstrategien: Pläne, Projekte, Konkurrenten
- Personaldaten: Gehälter, Personalgespräche
Wichtig: Die Schweigepflicht gilt auch nach Ende der Ausbildung.
Was darfst du trotzdem?
Du darfst natürlich:
- Mit Kollegen über Arbeit sprechen
- Mit Familie und Freunden über deinen Arbeitstag reden (ohne Details)
- Bei Problemen Hilfe suchen (Betriebsrat, IHK)
Häufige Fragen zu Rechten und Pflichten
Muss ich Überstunden machen?
Was passiert, wenn ich das Berichtsheft nicht führe?
Darf mein Ausbilder mir private Aufgaben geben?
Was passiert bei Fehlzeiten in der Berufsschule?
Zusammenfassung: Rechte und Pflichten im Überblick
Deine Pflichten:
- ✅ Lernpflicht: Dich bemühen, alles zu lernen
- ✅ Berichtsheft: Regelmäßig und gewissenhaft führen
- ✅ Sorgfaltspflicht: Gewissenhaft arbeiten
- ✅ Schweigepflicht: Betriebsgeheimnisse wahren
- ✅ Ordnungspflicht: Regeln einhalten
Deine Rechte:
- ✅ Ausbildungsvergütung: Rechtmäßige Bezahlung
- ✅ Urlaub: Mindestens 24-30 Werktage
- ✅ Freistellung: Für Berufsschule
- ✅ Pausen: Rechtmäßige Erholungszeiten
- ✅ Ordnungsgemäße Ausbildung: Alle Inhalte lernen
- ✅ Gesundheitsschutz: Sicherheit am Arbeitsplatz

Du kennst jetzt deine Rechte und Pflichten
Wenn du deine Pflichten erfüllst, kannst du auch deine Rechte einfordern. Beide gehören zusammen und schaffen eine faire Basis für deine Ausbildung. Nutze dieses Wissen für eine erfolgreiche Ausbildung!
Über den Autor:
Das Evkola Team unterstützt seit über 10 Jahren Azubis bei ihrer Ausbildung. Wir helfen dir, deine Rechte zu kennen und durchzusetzen.